Cloud-Zugang zu Quantencomputern: was sich 2026 geändert hat

AWS-Rechenzentrum in Oregon
AWS-Rechenzentrum in Oregon (Region us-west-2). Bild: Tedder, Lizenz CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons.

Cloud-Zugang ist für die meisten Leute der realistische Weg, überhaupt mit echter Quantenhardware zu arbeiten, ohne Millionen auszugeben. Wir haben unsere eigenen Artikel dazu, Cloud-Zugang, AWS Braket und IBM: Kaufen oder mieten?, noch einmal gegen aktuelle Quellen geprüft. Ein paar Stellen waren veraltet. Eine Zahl widersprach sich zwischen zwei unserer eigenen Seiten. Hier die Korrekturen.

IBM Open Plan: keine 5-Qubit-Systeme mehr

Der kostenlose IBM Open Plan wurde bei uns bisher mit einem Qubit-Bereich von 5 bis 127 Qubits beschrieben. Das stimmt nicht mehr. Die kleinen 5- bis 7-Qubit-Systeme sind seit November 2023 abgeschaltet. Wer heute über den Open Plan kostenlos auf echte Hardware zugreift, bekommt Zugang zu deutlich größeren Systemen der Eagle- und Heron/Nighthawk-Klasse, im Bereich von rund 127 bis 156 Qubits. Am kostenlosen Zeitfenster selbst, 10 Minuten Rechenzeit je 28-Tage-Fenster, ändert sich nichts.

Dazu ein zweiter Punkt, der nichts mit Preisen zu tun hat, aber trotzdem ständig verlinkt wird: Das „Qiskit Textbook“, auf das viele Lernressourcen verweisen, heißt seit November 2023 nicht mehr so. IBM hat es zu „IBM Quantum Learning“ umgebaut und zusammengeführt. Der alte Name steht nur noch als unveränderter Archiv-Stand auf GitHub.

IBM Flex Plan: der Haken steht nicht in der Preisliste

Beim IBM Flex Plan hatten wir „rund 72 US-Dollar pro Minute“ stehen, korrekt, aber unvollständig. Was fehlte: Der Flex Plan setzt eine Vorabzahlung von 30.000 US-Dollar voraus, die über zwölf Monate genutzt wird. Ohne diesen Hinweis wirkt Flex wie ein normaler Pay-per-Minute-Tarif ohne Einstiegshürde. Das stimmt nicht. Wer nur ein paar Minuten Rechenzeit testen will, landet nicht beim Flex Plan.

AWS Braket: das Freikontingent gilt nur für den Simulator

Wir hatten geschrieben, AWS biete allgemeine Freikontingente, mit denen sich Braket testen lässt, bevor echte Kosten entstehen. Das klingt nach freier Hardware-Zeit, ist es aber nicht. Der tatsächliche AWS Free Tier für Braket deckt eine Stunde Simulator-Zeit pro Monat ab, für die ersten zwölf Monate, keine echte Quantenhardware. Wer auf einem echten Quantenprozessor rechnen will, zahlt von der ersten Sekunde an.

Zweiter Punkt bei Braket: Wir hatten geschrieben, es gäbe fünf verschiedene technische Ansätze über einen Zugang. Tatsächlich sind es fünf Anbieter, aber nur drei technische Ansätze: Ionenfallen (IonQ und AQT), supraleitende Schaltkreise (Rigetti und IQM) und neutrale Atome (QuEra). Dazu kommt eine Einschränkung, die bisher unerwähnt blieb: AQT ist nicht durchgehend buchbar, sondern nur dienstags und mittwochs.

Azure Quantum: sechsstellig, nicht fünfstellig

Ein Fehler, den wir uns selbst zuzuschreiben haben: Auf der Cloud-Zugang-Seite stand, Azure Quantum gehe im Premiumbereich „schnell in den fünfstelligen Monatsbereich“. Auf unserer eigenen Preise-Seite stand für denselben Sachverhalt „über 125.000 US-Dollar im Monat“, also sechsstellig. Zwei Seiten derselben Website, zwei unterschiedliche Zahlen für dieselbe Sache. Die belegte Zahl ist die sechsstellige: Enterprise-Zugang bei Azure Quantum kann über 125.000 US-Dollar im Monat kosten. Wir haben das jetzt vereinheitlicht.

Quantinuum Helios: Singapur ist geplant, nicht installiert

Ein letzter Punkt, der zeitlich knapp daneben lag: Quantinuum hat im März 2026 angekündigt, sein Helios-System später im Jahr 2026 in Singapur vor Ort zu installieren. Das ist eine Ankündigung eines Vorhabens, keine abgeschlossene Installation. Wer aktuell mit Helios rechnen will, tut das über Quantinuums eigenen Cloud-Service oder über Azure Quantum, nicht über einen Standort in Singapur.

Was das für dich bedeutet

Kurz zusammengefasst, für alle vier Anbieter: IBM Open Plan bringt heute deutlich mehr Qubits kostenlos als noch 2023, dafür verbirgt der Flex Plan eine Vorabzahlung. AWS Braket ist bei den Preisen selbst weiterhin die transparenteste Option, aber das Freikontingent ist kleiner als es klingt. Azure Quantum ist für den Premiumbereich teurer, als eine unserer eigenen Seiten bisher suggeriert hat. Und wer auf Quantinuum Helios vor Ort in Asien wartet, muss noch etwas Geduld haben.

Kurz gesagt

IBM hat die kleinen 5-Qubit-Systeme im Open Plan abgeschafft und bietet dort heute 127 bis 156 Qubits. Der Flex Plan verlangt eine Vorabzahlung von 30.000 US-Dollar. Der AWS-Braket-Free-Tier deckt nur eine Stunde Simulator-Zeit im Monat ab, keine echte Hardware, und Braket bietet fünf Anbieter mit drei technischen Ansätzen, nicht fünf Ansätzen. Azure Quantum Premium kann über 125.000 US-Dollar im Monat kosten. Quantinuum Helios ist für Singapur erst später 2026 geplant, nicht schon vor Ort installiert.

Quellen und weiterführende Links: IBM Quantum Documentation: Plans Overview · freequantumcomputing.com: IBM Quantum Free Tier 2026 · IBM Announcement, 28.11.2023: Retired Systems · IBM Quantum Documentation: Qiskit-Redirects und Content-Migration · Moor Insights & Strategy: IBM Flex Plan · AWS Braket Pricing · AWS Braket Devices · AWS-Ankündigung AQT-Integration, November 2025 · The Quantum Insider: Preis eines Quantencomputers 2025/2026 · Quantinuum Pressemitteilung, 11.03.2026: Expansion nach Singapur mit geplanter Helios-Installation später 2026. Stand: September 2026.