D-Wave verkauft wieder Kaufgeräte, nicht nur Cloud-Zugang

Wafer mit D-Wave-Quantenchips
Wafer mit D-Wave-Quantenchips. Bild: Steve Jurvetson, Lizenz CC BY 2.0, via Wikimedia Commons.

Wer sich mit D-Wave beschäftigt hat, kennt wahrscheinlich unseren Artikel Was kostet ein D-Wave Quantencomputer wirklich?. Dort stand bislang eine klare Aussage: Zugang gibt es nicht als Kaufgerät, sondern nur über den Cloud-Service Leap. Das war zum Zeitpunkt der ursprünglichen Recherche eine vertretbare Einordnung, ist aber seit 2025 nicht mehr richtig. D-Wave verkauft sein aktuelles System Advantage2 wieder als physisches Kaufgerät. Zeit für ein Update.

Was sich geändert hat

Im Februar 2025 hat D-Wave ausdrücklich ein On-Premises-Angebot für Advantage2-Systeme angekündigt. Seit der allgemeinen Verfügbarkeit des Systems im Mai 2025 lässt sich das auch tatsächlich umsetzen: Wer will, bekommt ein komplettes Advantage2 vor Ort aufgestellt, nicht nur einen Cloud-Zugang über Leap.

Ein öffentlich benannter Käufer ist Davidson Technologies, ein Unternehmen aus dem Bereich sicherheitsrelevanter Forschung, das sich ein eigenes Advantage2-System vor Ort hat aufstellen lassen.

Dazu kommt ein zweiter, in Deutschland besonders relevanter Fall: Das Forschungszentrum Jülich hat 2025 offiziell ein D-Wave-Advantage-System gekauft, also die Vorgängergeneration von Advantage2. Jülich und D-Wave selbst sprechen in ihren Pressemitteilungen ausdrücklich von einem Kauf, nicht von einer Cloud-Buchung. D-Wave vermarktet den Verkauf international als „erstes Hochleistungsrechenzentrum weltweit“ mit einem solchen System. Jülich selbst formuliert in der eigenen deutschen Pressemitteilung vorsichtiger und spricht von sich als „erstem europäischen HPC-Zentrum“ mit dieser Technologie.

Der jüngste und bislang klarste Beleg für den Kurswechsel: Am 27. Januar 2026 hat die Florida Atlantic University einen Vertrag über 20 Millionen US-Dollar für den Kauf eines Advantage2-Systems unterschrieben. Installiert wird es auf dem Campus in Boca Raton, die Inbetriebnahme ist laut D-Wave für später im Jahr 2026 geplant. D-Wave verlegt im selben Zug sein eigenes Hauptquartier in den Boca Raton Innovation Center in unmittelbarer Nähe der Universität.

Am reinen Preis ändert das übrigens nichts an unserer bisherigen Kernaussage: Für das On-Premises-Kaufsystem gibt es ebenso wenig einen öffentlich einsehbaren Preis wie für Leap-Cloud-Zugang. Mit der Florida-Vereinbarung liegt jetzt aber erstmals eine konkrete Vertragssumme öffentlich vor. Wer kaufen will, muss für alles andere weiterhin mit dem Vertrieb sprechen. Einen Überblick über die Anbieter, die ihre Preise offenlegen, findest du in unserer Preise-Übersicht.

Zwei Käufer, zwei Systeme, zwei Jahre

Der zweite Punkt, den wir richtigstellen: In der Käufer-Liste am Ende des D-Wave-Artikels stand bisher ein Satz, der zwei völlig unterschiedliche Käufe in einen Topf wirft. Hier die saubere Trennung.

2011 kaufte Lockheed Martin den D-Wave One, ein 128-Qubit-System, für rund 10 Millionen US-Dollar. Das ist die historische Zahl, die bis heute in Suchergebnissen herumgeistert.

2013, zwei Jahre später, kaufte die USRA im Auftrag von Google einen D-Wave Two, ein deutlich größeres 512-Qubit-System, für rund 15 Millionen US-Dollar. Aufgestellt wurde das System am NASA Ames Research Center. NASA hat dafür die Räumlichkeiten gestellt, war aber nicht selbst Käufer.

Zwei Systeme, zwei Preise, zwei Jahre. Beide gehören in die Firmengeschichte von D-Wave, aber sie gehören nicht in einen Satz.

Was das für dich bedeutet

Für die meisten Leute, die sich für D-Wave interessieren, ändert sich praktisch wenig: Der Weg über Leap-Cloud-Zugang bleibt der Standard, weil ein komplettes Advantage2-System vor Ort eine ganz andere Größenordnung an Aufwand und Budget ist als ein einzelnes Forschungsprojekt oder ein Unternehmen mit knappem Budget stemmt. Aber die reine Behauptung „D-Wave verkauft nichts mehr, nur noch Cloud“ stimmt seit 2025 nicht mehr. Wer für eine Institution oder ein Unternehmen recherchiert, sollte wissen, dass die Kauf-Option real existiert, mit Davidson Technologies, dem Forschungszentrum Jülich und jetzt auch der Florida Atlantic University als belegten Beispielen.

Kurz gesagt

D-Wave verkauft sein aktuelles System Advantage2 seit Februar 2025 wieder als On-Premises-Kaufgerät, nicht nur als Leap-Cloud-Zugang. Davidson Technologies hat bereits gekauft, das Forschungszentrum Jülich hat 2025 ein Advantage-System der Vorgängergeneration erworben, und die Florida Atlantic University hat am 27. Januar 2026 einen 20-Millionen-Dollar-Vertrag für ein Advantage2 in Boca Raton unterschrieben, Inbetriebnahme später 2026. Für die reguläre Preisgestaltung gibt es weiterhin keine öffentliche Liste. Mit der Florida-Vereinbarung liegt aber erstmals eine konkrete Vertragssumme vor. Die historischen Käufe von Lockheed Martin (2011, D-Wave One) und Google über die USRA (2013, D-Wave Two) waren zwei getrennte Systeme zu zwei getrennten Preisen, keine gemeinsame Aktion.

Quellen und weiterführende Links: D-Wave Ankündigung On-Premises-Systeme, Februar 2025 · Forschungszentrum Jülich: Pressemitteilung zum Kauf eines D-Wave-Systems · D-Wave Advantage2 GA-Meldung, Mai 2025 · D-Wave Pressemitteilung: Florida Atlantic University kauft Advantage2 für 20 Millionen US-Dollar, 27.01.2026 · Florida Atlantic University, offizielle Meldung zum Quantencomputer · Forbes, 25.05.2011: D-Wave verkauft an Lockheed Martin · Forbes, 16.05.2013: Google und NASA kaufen D-Wave-System · MIT Technology Review, 2013: Google und NASA starten Quantum AI Lab. Stand: September 2026.