Was kostet ein D-Wave Quantencomputer wirklich?

D-Wave Two im NASA Advanced Supercomputing Center
D-Wave Two im NASA Advanced Supercomputing Center. Bild: Nick Bonifas/NASA (gemeinfrei, Werk der US-Bundesregierung).

Wer „D-Wave Quantencomputer Preis“ googelt, stößt früher oder später auf eine Zahl, die einfach nicht sterben will: 10 Millionen US-Dollar. Die stimmt, ist aber 15 Jahre alt. Sie bezieht sich auf ein komplett anderes System als das, was D-Wave heute anbietet. Zeit, das mal sauber auseinanderzunehmen.

D-Wave ist kein Universalrechner

Erst mal zur Einordnung, weil das für die Preisfrage wichtig ist. D-Wave baut keine Systeme, die wie IBM oder Google an möglichst vielen verschiedenen Aufgaben rechnen können. Stattdessen setzt D-Wave auf Quantum Annealing, ein spezialisiertes Verfahren für Optimierungsprobleme. Gemeint sind Fragen wie „welche Route ist am günstigsten“ oder „wie verteile ich Ressourcen am effizientesten“. Fertigung, Einzelhandel, Logistik, Finanzdienstleistungen, das sind die typischen Einsatzfelder. Für allgemeine Berechnungen ist das System schlicht nicht gedacht, das ist bewusste Spezialisierung, keine Schwäche.

Das aktuelle Flaggschiff: Advantage2

Das aktuelle System heißt Advantage2 und hat über 4.400 Qubits. Dazu kommen eine 20-fache Konnektivität dank der sogenannten Zephyr-Topologie und mehr als 40.000 Koppler zwischen den Qubits. Seit Mai 2025 ist es allgemein verfügbar (D-Wave). Zugang gibt es über den Cloud-Service Leap, seit Anfang 2025 aber auch wieder als Kaufgerät zur Installation vor Ort: D-Wave verkauft Advantage2-Systeme On-Premises, ein genannter Käufer ist Davidson Technologies. Auch das Forschungszentrum Jülich hat sich 2025 einen D-Wave-Annealing-Quantencomputer der Vorgängergeneration gekauft, laut eigener Pressemitteilung als erstes Hochleistungsrechenzentrum in Europa mit einem eigenen System dieser Art. Mehr zu den bislang bekannten Käufern und zur zeitlichen Einordnung im Update-Beitrag D-Wave verkauft wieder Kaufgeräte.

Der Preis: hier wird es unbequem ehrlich

Neue Nutzer bekommen laut D-Wave eine Minute kostenlose QPU-Rechenzeit zum Testen. Das ist die eine konkrete Zahl, die öffentlich dokumentiert ist. Was danach kommt, also ein konkreter Preis pro Sekunde, pro Minute oder als Abo-Staffel, steht auf D-Waves offizieller Produktseite nicht. Das ist nicht öffentlich einsehbar. Es gibt keine Preistabelle wie bei AWS Braket oder IBM Quantum. Wer über die kostenlose Testminute hinaus rechnen will, muss direkt mit dem Vertrieb sprechen (D-Wave Produktübersicht).

Eine Zahl zu schätzen oder aus der alten 10-Millionen-Dollar-Angabe hochzurechnen wäre reine Spekulation, keine verlässliche Angabe. Deshalb steht hier keine. Wer den tagesaktuellen Preis wissen will: Kontakt zum D-Wave-Vertrieb ist aktuell der einzige Weg. Zum Vergleich mit Anbietern, die ihre Preise offenlegen, lohnt sich ein Blick auf die Preise-Übersicht dieser Seite.

Die 10-Millionen-Dollar-Geschichte: wichtig, aber historisch

Die Zahl, die trotzdem ständig in Suchergebnissen auftaucht, stammt aus dem Jahr 2011. Damals brachte D-Wave mit dem D-Wave One das erste System auf den Markt, das das Unternehmen selbst als „world’s first commercially available quantum computer“ bewarb: ein 128-Qubit-Chipsatz, ebenfalls nach dem Annealing-Verfahren. Der Verkaufspreis lag bei rund 10 Millionen US-Dollar für ein komplettes, physisches Kaufsystem (Wikipedia: D-Wave Systems). Käufer war 2011 Lockheed Martin. 2013 kaufte dann Google gemeinsam mit der USRA ein anderes, größeres System, den D-Wave Two mit 512 Qubits, für rund 15 Millionen US-Dollar, aufgestellt am NASA Ames Research Center, das dafür die Räumlichkeiten stellte. Die 10 Millionen Dollar von 2011 sagen also nichts über den heutigen Preis aus. Sie gehören in die Geschichte des Unternehmens, nicht in eine aktuelle Preistabelle.

Kurz gesagt

Es gibt aktuell keine öffentliche Preisliste für D-Wave Leap, nur eine kostenlose Testminute und danach den Weg über den Vertrieb. Die oft zitierten 10 Millionen Dollar sind ein historischer Fakt aus dem Jahr 2011. Sie beziehen sich auf ein Kaufsystem, das es in dieser Form heute gar nicht mehr gibt. Wer heute mit D-Wave rechnen will, mietet meistens Cloud-Zugang über Leap. Seit 2025 lässt sich ein Advantage2-System aber auch wieder als Kaufgerät vor Ort betreiben, auch hierfür nennt D-Wave keinen öffentlichen Preis.

Quellen und weiterführende Links: D-Wave Produktübersicht · D-Wave Advantage2 GA-Meldung · Wikipedia: D-Wave Systems