Vergleich
Bester Quantencomputer 2026: Alle Hersteller im ehrlichen Vergleich
Wer nach dem “besten” oder “stärksten” Quantencomputer sucht, landet ziemlich schnell in einem Feld voller PR-Sätze. Jeder große Player hat gerade sein eigenes System, das angeblich Maßstäbe setzt: IBM mit mehr Gattern, Google mit weniger Fehlern, Quantinuum mit der höchsten Genauigkeit der Welt, Microsoft mit dem angeblich ersten topologischen Qubit überhaupt. Das Problem: Diese Aussagen stimmen fast immer, nur eben jede für sich und für eine andere Kennzahl. Einen einzigen “stärksten Quantencomputer” gibt es schlicht nicht, weil die Systeme auf komplett unterschiedlichen technischen Wegen laufen und für unterschiedliche Aufgaben gebaut sind.
Auf der Hersteller-Übersicht steht dazu schon der wichtigste Grundsatz: Die Qubit-Zahl allein sagt fast nichts, siehe Googles Willow mit gerade mal 105 Qubits, das trotzdem für Aufsehen gesorgt hat. Hier gehen wir einen Schritt weiter und schauen uns Anbieter für Anbieter an, was die Marketingaussage bedeutet und was technisch wirklich dahintersteckt. Am Ende steht außerdem die Frage, wer eigentlich als Erster einen Quantencomputer gebaut hat, und auch die hat mehr als eine richtige Antwort.
Warum “bester” fast nie eine einfache Antwort hat
Ein Quantencomputer besteht nicht nur aus Qubits. Mindestens vier Faktoren spielen gleichzeitig mit: wie oft ein Gatter danebenliegt (die Fehlerrate, Fachbegriff Fidelity), wie gut die Qubits untereinander verbunden sind (Konnektivität), wie lange ein Qubit seinen Zustand hält, bevor er zerfällt (Kohärenzzeit), und was für ein Problem überhaupt gelöst werden soll. Ein System, das bei Optimierungsaufgaben glänzt, ist bei chemischen Simulationen nutzlos, und umgekehrt. Deshalb bewirbt kaum ein Hersteller dieselbe Kennzahl wie der nächste. Das ist kein Zufall, sondern Strategie: Jeder sucht sich die Zahl aus, bei der er gerade vorne liegt.
Die Anbieter im Vergleich
Die Tabelle stellt Flaggschiff-System, beworbene Kennzahl und tatsächlichen Zugang nebeneinander, damit sich die Anbieter auf einen Blick vergleichen lassen.
| Anbieter | Technischer Ansatz | Flaggschiff-System | Beworbene Kennzahl | Zugang | Eingeordnet |
|---|---|---|---|---|---|
| IBM | Supraleitende Schaltkreise | Nighthawk | 120 Qubits, 218 Kopplungen, Ziel 7.500 Zwei-Qubit-Gatter bis 2026 | Verfügbar | Klarste öffentliche Roadmap: Quantenvorteil-Ziel 2026, fehlertolerant bis 2029. Details im IBM-Artikel. |
| Supraleitende Schaltkreise | Willow | 105 Qubits, erster Beleg sinkender Fehlerraten bei mehr Qubits | Eingeschränkt | Bezugspunkt für Fehlerkorrektur-Forschung, kein Produkt. Nachfolgechip bislang nicht veröffentlicht. | |
| IonQ | Ionenfallen | Forte (Nachfolger Tempo, Ende 2026) | 36 Qubits, 99,6 % Zwei-Qubit-Fidelity, All-to-all-Konnektivität | Verfügbar | Jedes Qubit direkt mit jedem verschränkbar, struktureller Vorteil gegenüber starren supraleitenden Gittern. |
| Quantinuum | Ionenfallen | Helios | 98 Qubits all-to-all, 99,921 % Zwei-Qubit-Fidelity | Verfügbar | Wirbt ausdrücklich mit der höchsten demonstrierten Genauigkeit, nicht mit der Qubit-Zahl. |
| Microsoft | Topologische Qubits | Majorana 1 | Beanspruchter erster topologischer Qubit-Chip | Kein Zugang | Anspruch stieß bei der American Physical Society auf erhebliche Kritik, zwei Fachartikel widersprechen der Beweislage. |
| D-Wave | Quantum Annealing | Advantage2 | Über 4.400 Qubits | Verfügbar | Kein Universalrechner, gezielt für Optimierung in Logistik und Fertigung. Details im D-Wave-Artikel. |
| PsiQuantum | Photonik | Omega (Chipsatz) | Baustein für geplantes Millionen-Qubit-System | Kein Zugang | Für Anfang 2026 gesetztes Zwischenziel laut Presseauswertung offenbar verpasst. |
| AWS Braket | — (Marktplatz) | — (Marktplatz) | Zugang zu IonQ, Rigetti, IQM, QuEra, AQT | Verfügbar | Kein eigener Hersteller, reiner Marktplatz für fremde Hardware. Mehr dazu im AWS-Braket-Artikel. |
| Rigetti | Supraleitende Schaltkreise | Ankaa-3 / Cepheus-1-108Q | 84–108 Qubits, 99,0 % mediane iSWAP-Fidelity | Verfügbar | Modulare Chiplet-Architektur soll Skalierung technisch beherrschbarer machen. |
| Xanadu | Photonik | Borealis (verfügbar) / Aurora (Forschung) | Aurora: 12 Qubits bei Raumtemperatur (Prototyp) | Verfügbar | Borealis: erste photonische Plattform mit nachgewiesenem Quantenvorteil im öffentlichen Cloud-Zugang. |
| IQM | Supraleitende Schaltkreise | Radiance-Reihe | 26 verkaufte, >102 Mio. € Auftragsbestand | Verfügbar | Größter europäischer Hersteller nach Stückzahl, seit 2026 an der Nasdaq (IQMX), Kooperation mit HPE. |
| Fraunhofer | Koordination, keine eigene Hardware | — (keine eigene Hardware) | Koordiniert das deutsche Kompetenznetzwerk Quantencomputing | Nicht zutreffend | Koordination statt eigenes Produkt, Unternehmensnetzwerk mit über 20 Firmen seit Juni 2026. |
| Intel | Silizium-Spin-Qubits | Tunnel Falls | Gefertigt auf Standard-Wafern, Forschungschip | Kein Zugang | Weiterhin ohne kommerziell verfügbares System. |
Wer ist jetzt wirklich der Beste?
Ehrliche Antwort: kommt drauf an, wofür. Für Optimierungsprobleme ist D-Wave oft die pragmatischste Wahl, weil es genau dafür gebaut wurde. Bei der höchsten demonstrierten Genauigkeit wirbt Quantinuum mit guten Argumenten. Beim größten öffentlich zugänglichen Cloud-Zoo an verschiedener Hardware ist AWS Braket kaum zu schlagen. In der Fehlerkorrektur-Forschung bleibt Google Willow der Bezugspunkt. Und bei der klarsten, am längsten öffentlich verfolgbaren Roadmap liegt IBM vorn. Wer eine einzige Zahl sucht, die alles zusammenfasst, wird enttäuscht, aber genau das ist die ehrlichste Aussage, die sich zu diesem Markt aktuell treffen lässt.
Der erste Quantencomputer: mehr als eine richtige Antwort
Auch die historische Frage hat keine einzige Antwort, sondern mehrere, je nachdem, was genau gemeint ist.
- 1998, Oxford: Jonathan A. Jones und Michele Mosca demonstrierten den ersten experimentellen Quantenalgorithmus auf einem 2-Qubit-NMR-System. In vielen Zeitleisten gilt das als der erste funktionsfähige Quantencomputer überhaupt, auch wenn er extrem limitiert war.
- 2010, Siegen: An der Universität Siegen ging der erste deutsche Quantencomputer in Betrieb, ein Ionenfallen-System mit bis zu acht Qubits. Klein im Vergleich zu heutigen Systemen, aber ein überraschend früher deutscher Meilenstein. Die ganze Geschichte dahinter, samt der Ausgründung eleQtron, steht in einem eigenen Artikel.
- 11. Mai 2011, D-Wave One: Von D-Wave Systems selbst als „world’s first commercially available quantum computer” beworben, 128-Qubit-Chipsatz, Quantum-Annealing-Verfahren, Verkaufspreis damals rund 10 Millionen US-Dollar. Ob das im strengen Sinn „echtes” Quantencomputing war, ist in der Fachwelt bis heute nicht ganz unumstritten, dafür war es zweifellos das erste System, das tatsächlich verkauft wurde.
Kurz zusammengefasst: Wer nach dem ersten experimentellen Quantenalgorithmus fragt, landet 1998 in Oxford. Wer nach dem ersten kommerziell verkauften System fragt, landet 2011 bei D-Wave. Beides ist richtig, nur eben eine Antwort auf zwei verschiedene Fragen.
Kurz gesagt
Der “beste” oder “stärkste” Quantencomputer ist keine feste Größe, sondern hängt an der Aufgabe, der Kennzahl und manchmal schlicht daran, wer gerade die lauteste Pressemitteilung geschrieben hat. Wer wirklich vergleichen will, schaut auf Fidelity, Konnektivität und Zugänglichkeit statt auf die größte Zahl in der Überschrift, und hinterfragt „Weltneuheit”-Behauptungen wie bei Microsofts Majorana 1 lieber einmal zu oft als einmal zu wenig.
Quellen und weiterführende Links: IBM Quantum Roadmap · IBM Newsroom: Nighthawk und Loon (12.11.2025) · IBM Quantum Hardware · Forbes/Moor Insights zur IBM-Roadmap · Google-Blog: Meet Willow · IonQ Forte Produktseite · IonQ Systemvergleich · cloudmagazin.com zu IonQ-Preisen · Quantinuum: Introducing Helios · Quantinuum Helios Produktseite · Quantinuum System Model H2 · Microsoft Azure Quantum Blog: Majorana 1 · APS Physics: Microsoft’s Claim Faces Tough Questions · APS Physics: Experts Weigh In · D-Wave Produktübersicht · D-Wave Advantage2 GA-Meldung · Wikipedia: D-Wave Systems · PsiQuantum: Omega-Ankündigung · AWS Braket Pricing · AWS Braket Quantum Computers Übersicht · AWS-Meldung zur AQT-Integration · Rigetti Pressemitteilung Ankaa-3 · The Quantum Insider: Xanadu Aurora · The Quantum Insider: Xanadu Borealis Cloud-Zugang · HPCwire: Xanadu und der Crane-Harbor-Börsengang · The Quantum Insider: IQM H1-2026-Ergebnisse · GlobeNewswire: IQM Pressemitteilung H1 2026 · IQM Radiance Produktseite · IQM-Pressemitteilung zur Lieferung an VTT · Fraunhofer IAO: Unternehmensnetzwerk Quantencomputing · Fraunhofer IAO: Developer Conference Freiburg · Fraunhofer zum IBM Quantum System One in Ehningen · Intel Newsroom: Tunnel Falls · Argonne National Laboratory zur Tunnel-Falls-Inbetriebnahme